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Die Banana-lität des Bösen

Die Banane kann für vieles stehen. Auf Anhieb fallen mir folgende Assoziationen ein:

Ausrutschen. Die dubiosen Geschäftspraktiken eines Multikonzerns. Eine geschälte Gurke. Dildo-Ersatz. Ankleiden eines Präservativs. (Rassistische) Beschimpfungen beim Fußball.

Usw.

Als Nahrungsmittel mochte ich Bananen noch nie. Warum weiß ich auch nicht so genau. Das war schon seit frühester Kindheit so, also als ich noch nichts von Multikonzernen, der DDR, Geschlechtsverkehr, Schwangerschaftsverhütung oder vom Fußball wusste.

Allein schon der Duft, den eine geschälte Banane verströmt, reicht aus, um bei mir einen Brechreiz auszulösen.

Als ich mit drei Jahren in einen Kinderhort kam, machte deshalb meine Mutter die Erzieherinnen darauf aufmerksam. Wenn als Obstbeilage Bananen für die Kinder vorgesehen sind, sollte ich doch einfach keine bekommen.

Die Erzieherinnen dachten aber nicht daran. Wenn Bananen an die Kinder verteilt wurden, so hatten diese auch ohne Ausnahme verzehrt zu werden. Also versuchte ich, meine Banane zu essen. Der Brechreiz und das Ekelgefühl waren aber zu stark. Wenn ich ein Stück abbiss, musste ich dieses Stück wieder ausspucken.

Die Erzieherinnen bestanden aber darauf. Sie sagten mir, dass ich den Tisch nicht verlassen dürfe, solange ich nicht meine Banane vollständig aufgezehrt habe.

Während die anderen Kinder wieder beim Spielen waren, saß ich also weiter am Esstisch und schob Überstunden. Ich ging folgendermaßen vor: Ich biss ein Stück ab, kaute etwas darauf herum und kämpfte gegen das Übelkeitsgefühl an so gut es ging. Sobald aber der Brechreiz zu stark wurde, spuckte ich den Bissen wieder aus. Schließlich wollte ich nicht mitsamt dem Bananenstück das gesamte Mittagessen wieder auskotzen.

Dann nahm ich das ausgespuckte Stück wieder in den Mund. Der Vorteil: nach jeder Wiederaufnahme schmeckte das Bananenstück weniger nach Banane. Irgendwann konnte ich dann den Bissen herunterschlucken.

Diese (zugegebenermaßen umständliche) Prozedur wiederholte ich, bis die ganze Banane verzehrt war. Das Ganze war auch körperlich sehr anstrengend. Das Ankämpfen gegen das aufkommende Übelkeitsgefühl. Der nicht zu kontrollierende Brechreiz, der einem die Tränen in die Augen schießen und den Hals sowie den Magen zusammenkrampfen lässt.

Während der ganzen Zeit saßen immer mindestens zwei Erzieherinnen bei mir und beobachteten mich. Sie sprachen dabei abschätzig über mich. Sie sprachen nicht mit mir, sondern lästerten unter sich über mich.

Sie mochten mich nicht. Ich war für sie ein Sonderling, der – zum Beispiel – auf sonderliche Weise seine Banane aufaß. Aber das war nicht der eigentliche Grund.

Als Alleinerziehende ging meine Mutter einer Beschäftigung nach. Sie kam oft zu spät, wenn sie mich vom Kinderhort abholte. Ich erinnere mich, wie ich immer wieder noch lange alleine im Hort gewartet habe, lange nachdem die anderen Kinder schon weg waren.

So bekam ich immer mit, wie die Erzieherinnen, die dann noch dageblieben waren, sich über meine Mutter empörten. Was sie sich den erlaube. Was sie für eine Mutter sei. Dabei warfen sie mir böse Blicke zu.

Es war eine bösartige und hämische Art des Redens. Eigentlich war es Geschwätz. Komischerweise konfrontierten die Erzieherinnen meine Mutter nie direkt.

Schon merkwürdig, woran ich mich so erinnere. Bananas, eben.


16.11.15 18:19

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