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Anruf auf einer Kundenhotline, Fluggesellschaft

Ich rufe auf der Hotline einer Fluggesellschaft an, um eine Unklarheit bei einer Buchung zu klären. Wie so häufig, kündigt die Stimme vom Band an, dass aufgrund des hohen Anrufaufkommens derzeit längere Wartezeiten bestehen. Wenn ich, der Anrufer, es wünsche, könne ich die Wartezeit dadurch verkürzen, indem ich per Tastendruck die englischsprachige Kundenhotline wähle.

Gesagt, getan. Tatsächlich nimmt nach nur wenigen Sekunden eine Mitarbeiterin der Fluggesellschaft meinen Anruf entgegen.

Mitarbeiterin: „Good evening, this is (name of the air carrier), my name is XX. How can I help you?”

Anrufer: “Hi, good evening, my name is YY. I just got redirected from your company’s German-language hotline, because there’s too much traffic right now. Is it necessary that we speak in English or is it also possible to talk in German?”

Mitarbeiterin: “Hmm, this is the English-speaking line, Sir. But if you wish the German-language service, you have to call again.”

Anrufer: “No, no problem. I am just asking because if you were a German-speaker, it would somehow be strange to talk to you in English, just because I chose the English-language line in order to cut down on the waiting time.”

Mitarbeiterin: “Sir, this is the English-language line of (name of the air carrier). If your English-language proficiency is not good enough, please dial the number once again and wait for a German-language operator to pick up.”

Anrufer: “Do I sound to you like my English proficiency was not sufficient? I can tell that you are not a native speaker, and neither am I. It could have been the case, however, that you were a native speaker of German, just as I am, and then we could have …”

Mitarbeiterin: “This is the line for English only. Please redial the number of the German-language hotline. Thanks for your call, bye.”

Beep, beep, beep.  

10.11.15 19:34, kommentieren

„Sie wissen schon, dass Nietzsche geisteskrank war?“

Gesprächsfragment zwischen mir und meiner (inzwischen Ex-)Therapeutin

Der Patient versucht einen Aspekt, einen Gedanken, der ihm gerade durch den Kopf geht, durch ein paraphrasiertes Zitat von Nietzsche zum Ausdruck zu bringen. Mitten in der Ausführung unterbricht ihn die Therapeutin mit folgendem Einwurf:

„Sie wissen schon, dass Nietzsche geisteskrank war?“

Patient: „Ja, natürlich. Aber was hat das jetzt mit dem zu tun, was ich sagen will?.“

Therapeutin: „Also wir sind uns einig: Nietzsche war geisteskrank. Der Mann war krank. Seine Werke zu lesen ist nicht gut. Es hat eine schlechte Wirkung. Rudolf Steiner hat darüber geschrieben. Das können sie bei ihm nachlesen.“

Patient: „Das mag sein. Das kann ich nicht beurteilen, denn ich habe noch nie irgendetwas von Steiner gelesen. Aber haben Sie denn jemals etwas von Nietzsche gelesen?“

Therapeutin: „Nein, aber Steiner beschreibt das sehr gut und richtig. Er hat sich damit beschäftigt“

Patient: „Ja, mir ist bekannt, dass er irgendwas mit der Schwester Nietzsches und dem Verwalten des Nachlasses von Nietzsches Schriften zu tun hatte. Aber darum geht es jetzt nicht. Wir bewegen uns gerade zu einer Frage hin, bei der es um die Autorität von Steiner über Nietzsche geht. Ich kann das nicht beurteilen, denn – wie gesagt – ich habe noch nie etwas von Steiner gelesen, weder seine Abhandlung über Nietzsche noch sonstige Schriften.“

„Um diese Frage einigermaßen angemessen angehen zu können“, fährt der Patient fort, „müsste man aber sowohl Nietzsche als auch diese Abhandlung Steiners über Nietzsche gelesen haben. Zu welchem Umfang auch immer; das meine ich jetzt in Bezug auf Nietzsche. Wie dem auch sei, ich denke nicht, dass Sie sich blindlings auf das Urteil Steiners über Nietzsche verlassen sollten, zumindest nicht, wenn Sie ein solch vernichtendes Urteil über Nietzsche fällen.“

Therapeutin: „Das tut nichts zur Sache. Alles, was ich sage, ist, dass Nietzsche nicht gut ist. Sie sollten das Lassen. Das Lesen von Nietzsche, meine ich. Es hat so eine zersetzende Wirkung auf den Leser.“

Patient: „Und das sagen Sie, ohne jemals Nietzsche gelesen zu haben.“

Therapeutin: „Ja.“

Patient: „Mit dem Verweis darauf, dass er geisteskrank gewesen ist.“

Therapeutin: „Ja.“

Patient: „Was ich sage, ist Folgendes: Ich weiß nicht, mit welchen Argumenten Steiner Nietzsche kritisiert, denn – ich sage es nochmals – ich habe die besagte Schrift nie gelesen. Aber wenn Steiner Nietzsche kritisiert, so hoffe ich doch sehr, dass er das nicht bloß mit dem Verweis auf Nietzsches Geisteskrankheit tut. Des Weiteren möchte ich anmerken: Um diese Frage einigermaßen kompetent erläutern zu können, wären zumindest rudimentäre Kenntnisse über Nietzsche und – ebenfalls als Mindestanforderung – die Kenntnis von Steiners Abhandlung über Nietzsche notwendig. Weder ich noch Sie verfügen über dieses Mindestvoraussetzungen. Also können wir diese Frage hier und an dieser Stelle überhaupt nicht adäquat angehen. Ich für meinen Teil würde behaupten, dass ich mir kein Urteil über Steiners Abhandlung über Nietzsche erlauben kann, weil ich – ich sage es abermals – diese nie gelesen habe. Aber können Sie sich denn ein angemessenes Urteil über Nietzsche erlauben?“

Therapeutin: „Alles, was ich sage, ist, dass es Ihnen nicht gut tut, Nietzsche zu lesen.“

7.11.15 22:44, kommentieren